Ernst fordert das Glas heraus

Viele glauben, dass Peggy Guggenheim,die erste Ehefrau von Max Ernst, den Anstoss zu seiner Arbeit am Glas gegeben hat. Tatsache ist, dass Jean Arp, via eines Briefes seiner Frau Marguerite, den er humorvoll gegenzeichnete mit “Jean Arp, der grosse Künstler”, den Anstoss gab zu einer Zusammenarbeit von Max Ernst mit den venezianischen Ateliers.

Max Ernst und Costantini treffen sich im Jahr 1962. Die ersten in Auftrag gegebenen Werke waren hauptsächlich Vogelthemen. Max Ernst’s Perfektionismus macht die Zusammenarbeit sehr anspruchsvoll, umsomehr als der deutsche Riese das Potential dieses Materials, Glas, sofort erkannte.

Nach einigen Monaten der Zusammenarbeit, im Februar 1963, anlässlich eines Besuches in der “Fucina degli Angeli”, stellt Max Ernst Costantini sein hölzernes Schachspiel vor, sowie eine Serie von Zeichnungen der einzelnen Figuren mit ihren Dimensionen. Die Grösse der Figuren überrascht den Venezianer. Das Schachspiel, das ihm der deutsche Künstler in Auftrag gibt, ist ein Monumentalwerk von 5 m Seitenlänge.

Zunächst begeistert, macht Costantini eine Machbarkeitsstudie. Einige Figuren würden mehrere 10 kg wiegen, würden speziale Schmelzöfen benötigen und nicht weniger als 10 Mann, um sie zu manipulieren. Noch nie war eine derartige Leistung in Glas erdacht worden.

Z.B. würde allein das Polieren der Figuren, der schrägen Oberflächen der Könige und die Köpfe der Königinnen mehrere Monate Arbeit eines Spezialarbeiters bedeuten.

Alles in allem würden die 32 Schachfiguren (ohne die zu erstellenden Prototypen) mehr als 6 Monate Arbeit bedeuten für eine Mannschaft von Elite-Handwerkern, ca. 4 – 10 Leute je nach Art des Vorgangs.

Vom finanziellen Standpunkt war das Budget dermassen hoch, dass Max Ernst auf die Finanzierung verzichten mssste. Und zu allem Überfluss trat ein Handwerker nach dem Anderen zurück, die Gefahr, derartige Massen zu bearbeiten und zu schmelzen war einfach zu gross.

Zutiefs enttäuscht, musste der venezianische Künstler von allem Abstand nehmen.